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China-Nachrichten

von

Helmut Janus GmbH China-Consult
 und VACT Vinck’s Agency for Consulting and Trading

Nr. 18 vom 13. Juli 2004


Ausländische Investoren dürfen Handels- und Vertriebsgesellschaften gründen, Produktionsunternehmen erhalten Handelsrecht

Zum 1. Juni 2004 traten Bestimmungen in Kraft, nach denen endlich auch kleinere Handelsgesellschaften ohne die bisherige Beschränkung auf Zollfreihandelszonen gegründet werden dürfen. Zunächst gilt das Recht nur für Joint Ventures. Nach dem Ende der für die WTO-Mitgliedschaft vereinbarten Übergangsfrist dürfen am dem 11.12.2004 auch hundertprozentige Unternehmen gegründet werden. Das erforderliche Mindestkapital liegt bei RMB 300.000 für Einzelhandels- und RMB 500.000 für Grosshandelsunternehmen. Wie für alle ausländischen Unternehmen gelten zusätzlich die Mindesteigenkapitalquoten, z.B. 70% Eigenkapitalfinanzierung bei einer Gesamtinvestition von bis zu US$ 3 Mio. Die Gründungsformalitäten laufen wie bei Produktionsunternehmen ab. Die lokalen Behörden erteilen jedoch nur eine vorläufige Genehmigung. Die endgültige Genehmigung wird vom Ministry of Commerce in Beijing erteilt. Noch ist nicht absehbar, ob sich die Verfahren dadurch verlängern. Für eine Reihe von Produkten, z.B. Publikationen, Ölprodukte oder Pharmazeutika gibt es weiterhin Einschränkungen.

Schon jetzt ist absehbar, dass die Liberalisierung des Handels die Bedeutung der Zollfreihandelszonen reduzieren und zu einem Anstieg der Neugründungen führen wird. Früher war es nur den großen Handelsketten wie METRO und Carrefour nach den experimentellen Bestimmungen möglich, in China zu investieren. Bisher gibt es lediglich 270 Handelsgesellschaften mit ausländischem Kapital, die 2200 Filialen betreiben. Jetzt können auch mittelständische Unternehmen den Markteinstieg über eine Vertriebsgesellschaft statt über ein Produktionsunternehmen wählen.

Für bereits bestehende Produktionsunternehmen ist es möglich geworden, den Geschäftszweck auf Handel zu erweitern und andere Produkte als die selbst hergestellten zu verkaufen. Damit wird eine lang bestehende Praxis auch gesetzlich legitimiert. Unternehmen, die das Handelsrecht nutzen wollen, müssen ihren Geschäftszweck bei der zuständigen Behörde entsprechend erweitern lassen.

Neues Außenhandelsgesetz

Seit dem 1. Juli 2004 gilt ein neues Außenhandelsrecht. Wesentliche Neuerung ist, dass Außenhandelsgesellschaften nicht mehr genehmigt werden müssen, sondern eine einfache Registrierung für die Aufnahme von Importen und Exporten ausreicht. Auch Einzelpersonen dürfen Außenhandel betreiben. Durch das neue Gesetz kann jedes Industrieunternehmen direkt mit ausländischen Partnern Geschäfte betreiben, ohne dass eine Handelsgesellschaft zwischengeschaltet werden muss. Praktisch ändert sich nicht viel, da die Vergabe von Außenhandelslizenzen ohnehin stark liberalisiert worden war.

Staatliche Automobilpolitik neu geregelt

Nach 10 Jahren wurde wie schon lange erwartet eine neue Automobilpolitik verkündet. Einige große Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. So wird keine Quote für den Anteil chinesischer Entwicklungen an neuen Automodellen festgeschrieben, sondern es wird nur allgemein die Eigenentwicklung gefördert. Die politische Zielsetzung ist es, die vielen kleinen Hersteller in China zu Zusammenschlüssen zu bewegen und leistungsfähige nationale Hersteller zu schaffen. Für neue Automobilprojekte werden hohe Anforderungen an das Mindestkapital gestellt und eigene Entwicklungskapazität verlangt. Dagegen wurden zahlreiche Bedingungen für Devisenausgleich, Exporte und “local content” gestrichen, die nicht mehr im Einklang mit den WTO-Bestimmungen sind.

Zweiter Markt für kleine und mittlere Unternehmen an der Börse Shenzhen gegründet

Nachdem die ersten Bestrebungen zur Einrichtung eines zweiten Markts an der Asienkrise und der internationalen Börsenbaisse gescheitert waren, wurde mit sieben Jahren Verzögerung ein Markt für kleine und mittlere Unternehmen an der Börse in Shenzhen eröffnet. Im Gegensatz zu den früheren Plänen sind die Dimensionen eher bescheiden, die Eröffnung des Markts ist aber ein wichtiges Zeichen, dass neue Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen erschlossen werden. Noch stammen 90% der Finanzierungsmittel dieser Unternehmen aus privaten Quellen und nicht von Banken oder den Kapitalmärkten. Immer mehr Privatunternehmen organisieren sich aber als Aktiengesellschaften, so dass große Entwicklungsmöglichkeiten für das neue Marktsegment bestehen.

Top 500 Foreign-Funded Enterprises

Das Ministry of Commerce hat eine aktuelle Liste der 500 umsatzstärksten Unternehmen mit ausländischem Kapital in China veröffentlicht.
Hier sind die Top 15:.

Rang

Name

Umsatz 2002
in Mrd. RMB

1

Motorola (Tianjin) Electronics Ltd.

45,33

2

SAIC-Volkswagen Sales Co. Ltd.

44,64

3

Foxconn (Shenzhen) Co. Ltd.

38,61

4

Shanghai Volkswagen Co. Ltd.

36,27

5

FAW Volkswagen Sales Co. Ltd.

33,34

6

FAW Volkswagen Automotives Co. Ltd.

30,28

7

Huaneng Power International Inc.

18,73

8

Shanghai GM Co. Ltd.

18,56

9

Beijing Capital Nokia Mobile Communications Co. Ltd.

17,72

10

Dell Computers (China) Co. Ltd.

17,57

11

Guangzhou Honda Automobiles Co. Ltd.

13,63

12

Nokia (China) Investment Co. Ltd.

13,55

13

China Eastern Airlines Co. Ltd.

13,39

14

Dalian West Pacific Petrochemicals Co. Ltd.

12,45

15

Ma’anshan Steel and Iron Co. Ltd.

10,97

 

.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Buchbesprechung
Tim Clissold: Mr. China, London 2004 (englisch)

Tim Clissold erzählt die Geschichte der im Buch nicht namentlich genannten Asimco, die sich als Finanzinvestor in den neunziger Jahren an zahlreichen industriellen Joint Ventures beteiligt hatte und für die Clissold als Manager tätig war. Die im Untertitel genannte Folge waren "…$ 418.000.000 disappearing day by day". In jedem der angefassten Projekte kam zu Streit mit den Joint Venture-Partnern, Konflikten mit den Managern, Betrügereien und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Es sind haarsträubende Geschichten, die sich spannend wie ein Krimi lesen. Und dennoch taugt das Buch nicht für diejenigen, die schon immer vor zu viel China-Euphorie gewarnt haben. Das von Asimco verfolgte Modell der Joint Ventures mit Staatsunternehmen ist heute mausetot. Auch andere Investoren haben bitter dafür bezahlt, dass sie von den chinesischen Partnern häufig nur als willige Geldgeber und Sanierungshelfer angesehen wurden. Die Idee, dass der ausländische Partner Kapital und Technologie einbringt, während der chinesische Partner den Markt öffnet, hat in den seltensten Fällen funktioniert. Wer heute nach China geht, macht es entweder allein oder hat einen Partner, der privat ist oder nach marktwirtschaftlichen Regeln funktioniert. Bei der Lektüre bleiben einige Fragen offen. Warum haben die Investoren zum Beispiel hunderte von maroden Industrieunternehmen in den tiefsten Winkeln des  Landesinneren besucht, die dort auf Befehl von Mao aus Furcht vor einem Krieg mit Sowjetunion errichtet worden waren? Warum wurde in Brauereien investiert, als der Markt für Bier schon erkennbar im Abwärtstrend war? Die interkulturellen Erklärungen, dass China nicht nach westlichen Maßstäben funktioniert, verkleistern eher die handfesten Fehler bei der Auswahl der Investments. Aus heutiger Sicht bietet das Buch eine Fülle von Anekdoten, die bei manchen grauenvolle Erinnerungen wachrufen, den meisten im Chinageschäft Tätigen aber das gute Gefühl vermitteln, es besser gemacht zu haben als die millionenschweren Wall-Street-Banker.

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 © Helmut Janus GmbH China-Consult, Essen 2011