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China-Nachrichten
von
Helmut Janus GmbH China-Consult und VACT Vinck’s Agency for Consulting and Trading
Nr. 15 vom 05 Januar 2004
Bestimmungen über Auto-Finanzierungsgesellschaften erlassen
Nach den Bestimmungen über Auto-Finanzierungsgesellschaften (“Measures Governing Auto Financing Companies) wurden im November die dazu gehörigen Ausführungsbestimmungen erlassen. Danach können ausländische Investoren hundertprozentige oder Joint-Venture-Finanzierungsgesellschaften mit einem Mindestkapital von 500 Millionen RMB gründen. Den Gesellschaften ist jedoch kein Leasing gestattet. Bisher konnten nur chinesische Banken Auto-Kredite vergeben, mit denen aber weniger als 20% der Autokäufe finanziert wurden. Die chinesische Automobilindustrie erhofft sich durch die Bestimmungen die Erschließung neuer Käuferschichten und ein Anhalten des seit 2002 anhaltenden Automobilbooms. Die in China aktivsten ausländischen Hersteller Volkswagen, General Motors und Toyota haben bereits die ersten Finanzierungsgesellschaften nach den neuen Bestimmungen gegründet und wollen im Laufe des Jahres 2004 mit dem Geschäft beginnen. Die Bestimmungen stellen hohe Anforderungen an die Qualität des Managements und sehen strenge Risikokriterien vor. Die Hauptschwierigkeit dürfte jedoch sein, die Kreditwürdigkeit der Autokäufer zu beurteilen. Schon heute sitzen die Banken auf einem Berg fauler Autokredite.
Katalog für High-Tech-Industrien
Am 02. Juni 2003 haben das Ministry of Science and Technology und das Ministry of Commerce einen Katalog für High-Tech-Industrien (Catalogue for Guding Foreign Investors to High-Tech Products) erlassen. Die Frage, ob das eigene Unternehmen die Kriterien für “High-Tech” erfüllt, ist von zentraler Bedeutung für jeden ausländischen Investor in China. Danach richtet sich, ob Importe von Maschinen und Anlagen von Zöllen und Steuern befreit werden, und ob die Frist für die Reduzierung der Körperschaftsteuer bei neuen Unternehmen verlängert wird. Der Katalog listet 917 Produkte in 11 Kategorien auf. Auf Wunsch stellen wir eine englische Fassung des Katalogs gern per E-Mail als PDF-Datei zur Verfügung.
Weltbankstudie über Investitionsstandorte
Die Weltbank hat in einer Studie 23 Investitionsstandorte in China untersucht und ein Ranking durchgeführt::
- A+: Shanghai, Hangzhou
- A : Dalian, Jangmen, Chongqing, Guangzhou
- A- : Changchun
- B+: Beijing, Shenzhen, Zhengzhou, Nanchang
- B : Changsha, Chengdu, Wuhan, Wenzhou Xian, Tianjian
- B- : Nanning, Harbin, Benxi, Kunming, Lanzhou, Guiyang
Bewertungskriterien waren das Qualifikationsniveau der Beschäftigten, der Arbeitsmarkt, Produktivität, Finanzierungsmöglichkeiten, Anteil der ausländischen Investitionen und Investitionsklima. Während die Binnenstandorte Pluspunkte bei den Arbeitskosten erzielten, lagen sie bei der Produktivität und dem Anteil der ausländischen Investitionen deutlich hinter den Küstenstädten.
Entwicklung des Außenhandels: eine Zwischenbilanz zum 31.10.2003
In den ersten drei Quartalen 2003 lag der chinesische Export bei US$ 307,7 Mrd. (+ 32,3%), der chinesische Import bei US$ 298,56 Mrd. (+40,5%). Der Handelsüberschuss lag damit bei US$ 9,15 Mrd., was einem Rückgang um über 50% entspricht.
Gründe für den deutlichen Anstieg der Importe waren die weiter anhaltenden Investitionen internationaler Unternehmen, die entsprechende Anlageinvestitionen nach sich zogen, und die Zollsenkungen im Zuge des WTO-Beitritts.
Für 2004 wird ein weiterer Rückgang des Handelsbilanzüberschusses oder sogar erstmals seit 1989 wieder ein negativer Saldo erwartet. Die Reduzierung und teilweise Abschaffung der Mehrwertsteuer- erstattungen für Exporte wird den Export für chinesische Unternehmen weniger attraktiv machen. In verschiedenen Märkten, insbesondere den USA wird die Diskussion über protektionistische Maßnahmen gegenüber China anhalten. Gleichzeitig sind weiter hohe Investitionen und ein Anhalten der Importnachfrage vorauszusehen.
Buchbesprechung: Reiner Kloubert: Der Quereinsteiger, Elfenbein Verlag 2003
Als Enthüllungsstory und Sensation preist das manager magazin in seiner Januar-Ausgabe das Buch von Rainer Kloubert: “Zum ersten Mal packt ein ehemaliger Bosch-Manager aus.” Das “große deutsche Industrieunternehmen, das sich als diskreter Global Player versteht” (Klappentext), wird zwar nicht namentlich genannt, ist aber unschwer zu identifizieren. Vor seiner Zeit als Repräsentant für Bosch in Peking hatte Rainer Kloubert allerdings schon Zementanlagen für KHD in China verkauft. So war sein Einstieg bei Bosch auch nicht ganz so quer, und in seinem Roman mischen sich die beiden Unternehmen.
In der Ich-Form berichtet der Erzähler über seine Erfahrungen mit deutschen Vorstandsmitgliedern und Konzernzentralen, mit deutschen und chinesischen Kollegen. Die Geschichte ist flüssig und amüsant geschrieben mit zum Teil haarsträubenden Anekdoten, die am Besten nachvollziehen kann, wer die Szene der deutschen Geschäftsleute in China kennt. Wer sich hier die ultimativen Tricks fürs Chinageschäft erwartet, sollte aber vorsichtig sein. Vieles erinnert eher an die Aufbruchszeiten in den 80er Jahren. Zum Beispiel dürfte es heute kaum realistisch sein, dass ein cleverer chinesicher Mitarbeiter, der kurz vorm Bankett heimlich die Tischkarten vertauscht, das deutsche Vorstandsmitglied neben den Minister platziert und damit ein Riesengeschäft an Land zieht.
Da ansonsten ehemalige Botschafter und Journalisten eher mit Sachbüchern in die allgemeine China-Euphorie einstimmen, besitzt Klouberts Roman Seltenheitswert und ist jedem für den langen Flug nach China als optimale Reiselektüre empfohlen.
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