|
China-Nachrichten
von Helmut Janus GmbH China-Consult und VACT Vinck’s Agency for Consulting and Trading
Nr. 37 vom 24. März 2010
Warum China den Renminbi nicht aufwerten wird
Chinas Position als weltweit größter Exporteur und immer weiter steigende Handelsüberschüsse haben den Druck auf China erhöht, den Renminbi aufzuwerten. Insbesondere in den USA baut sich immer stärkerer politischer Druck auf. China hat nach einer Phase von kleinen Aufwertungsschritten im Zeitraum 2005 bis 2008, die gegenüber dem US-Dollar insgesamt 21% ausmachten, seit Mitte 2008 den Renminbi fest an den US-Dollar gekoppelt mit nur kleinsten Schwankungen zwischen 6,82 und 6,84 Renminbi je US-Dollar. Im Zuge der Euro-Schwäche der letzten Wochen stieg dagegen der Wert des Renminbi gegenüber dem Euro an, so dass nach Jahren eines Kursverhältnisses von 1 : 10 nunmehr der Kurs bei ca. 9,2 Renminbi je Euro liegt. Einschließlich des Weltwährungsfonds sind die Experten sich einig, dass die chinesische Währung deutlich unterbewertet ist.
Trotz des zunehmenden Drucks sprechen aus chinesischer Sicht alle Argumente für eine Beibehaltung des aktuellen Kursniveaus. Eine Aufwertung gegenüber dem Dollar würde kaum der amerikanischen Exportindustrie nutzen, da amerikanische Produkte nur unterdurchschnittlich in China vertreten sind und günstigere Preise daran kaum etwas verändern dürften. Die chinesische Exportindustrie ist aber extrem preisabhängig. Die Exporteure einfacher und arbeitsintensiver Güter arbeiten mit hauchdünnen Margen. Ein Rückgang der Exporterlöse in Folge einer Aufwertung würde für eine große Zahl von Unternehmen das Aus bedeuten. Profitieren würden davon allenfalls andere Niedrigpreisanbieter, aber an der amerikanischen Handelsbilanz dürfte sich nicht viel ändern. Ein weiteres Argument von Chinas Führung ist, dass eine Aufwertung des Renminbi zur Abwertung der von China gehaltenen amerikanischen Staatsanleihen und damit zu massiven Verlusten des Staates führen würde. Dies macht eine Aufwertung bei der chinesischen Bevölkerung extrem unpopulär. Die chinesische Regierung nimmt diese Stimmungen sehr ernst und hat in letzter Zeit verstärkt nationalistische Töne angeschlagen. Weiterer Druck aus dem Ausland auf China kann zu einer Verhärtung der chinesischen Position führen. Vermutlich wäre es für alle Seiten der beste Weg, wenn China zur Politik der Aufwertung in kleinen Schritten zurückkehren würde.
Strengere Bestimmungen für Representative Offices
Nach einem Erlass der State Administration of Industry and Commerce sollen Repräsentanzen ausländischer Unternehmen strenger kontrolliert werden. Angeblich sei die Zahl der Fälle gestiegen, in denen falsche Angaben gemacht oder nicht erlaubte Aktivitäten durchgeführt wurden (mehr zu den Regelungen für Repräsentanzen im Ratgeber). Die Anforderungen an die bei der Gründung vorzulegenden Dokumente wurden verschärft, Genehmigungen werden grundsätzlich nur noch für ein Jahr erteilt und müssen jährlich verlängert werden. Die Zahl der entsandten Repräsentanten wurde auf vier begrenzt (ohne lokales Personal). Sollten bereits mehr als vier Repräsentanten registriert sein, muss die Zahl bei Auslaufen der Verträge reduziert werden.
Die chinesische Steuerverwaltung (State Administration of Taxation) hat im Februar bekannt gegeben, dass Repräsentanzen strenger geprüft werden. Wird eine Repräsentanz als langfristige Vertretung eingestuft, die in China Leistungen erbringt, soll sie unter das chinesische Körperschaftsteuerrecht fallen. Damit versuchen die Steuerbehörden insbesondere Fälle aufzudecken, bei denen die Repräsentanzen Leistungen vor Ort erbringen, diese aber durch die Muttergesellschaft aus dem Ausland in Devisen abgerechnet werden. Repräsentanzen können aufgefordert werden, die von der Mutter ausgestellten Rechnungen vorzulegen. Der auf China entfallende Anteil der Leistung wird dann mit 25% Körperschaftsteuer belegt.
Wer in den Fokus der chinesischen Finanzämter gerät, muss mit unangenehmen Auseinandersetzungen rechnen. Unternehmen, die große Repräsentanzen unterhalten, z.B. Handelshäuser, sollten prüfen, ob sie mit einer Handelsgesellschaft nicht besser aufgestellt sind.
Ausländische Direktinvestitionen 2009
Mit 90,03 Mrd. US-Dollar lagen die ausländischen Direktinvestitionen um 2,56% unter dem Vorjahr. Die Zahl der Projekte ging um 14,83% auf 23.435 zurück. Damit stieg die durchschnittliche Projektgröße von 3,5 auf 3,8 Millionen US-Dollar. Vom Gesamtvolumen entfielen 76,3% auf WhollyForeignOwnedEnterprises (WFOE's). Im Gegensatz zum Trend der Vorjahre stieg der Anteil der Joint Ventures leicht auf 19,2%. Der Rest verteilt sich auf vertragliche Joint Ventures und Aktiengesellschaften mit ausländischer Beteiligung.
Chinas sehr spezielle Immobilienblase
Die chinesischen Immobilienpreise stiegen nach offiziellen Zahlen im Durchschnitt um 9,5% im Zeitraum Januar 2009 bis Januar 2010. Überdurchschnittlich stiegen die Preise für Wohnungen mit 13%, während die Büromieten nur um 7,3% höher lagen. Besonders hohe Preissteigerungen verzeichneten die Insel Hainan mit über 30% und die Stadt Guangzhou mit 22,4%. Wie bei allen chinesischen Statistiken stellt sich die Frage der Vertrauenswürdigkeit dieser Zahlen.
Trotz der deutlichen Preissteigerungen und zunehmenden Warnungen vor einer Immobilienblase ist Chinas Immobilienmarkt nicht mit dem amerikanischen oder gar dem japanischen Markt vergleichbar. Hauptpreistreiber ist nach wie vor die starke Nachfrage der städtischen Mittelschicht, für die trotz des Baubooms noch nicht ausreichend Wohnraum zur Verfügung steht. Die privaten Immobilienfinanzierungen sind aufgrund hoher Eigenkapitalanforderungen eher solide, auch wenn viele Familien unter hohen Kreditlasten stöhnen.
Chinas Problem ist eher die hohe Abhängigkeit der lokalen Regierungen von den Grundstücks- und Immobiliengeschäften. Selbst Städte wie Shanghai und Beijing erzielen rund die Hälfte ihrer Erlöse nicht durch Steuern, sondern durch Immobilienverkäufe. Alle lokalen Regierungen sind mit riesigen Beträgen in Entwicklungsprojekten eingebunden. Eine von der Zentrale durchaus gewollte Abkühlung des Markts würde deshalb direkt gegen die Interessen der lokalen Regierungen laufen. Chinas Problem ist deshalb auch nicht, dass ein plötzlicher Abbruch der Marktnachfrage die Blase zum Platzen bringen könnte, sondern wie die politischen Fragen gelöst werden können. Unter Experten ist allgemein anerkannt, dass eine Abkühlung des Immobilienmarkts nur durch eine neue Grund- und Immobiliensteuer möglich sein wird. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass diese Steuer kommt. Fraglich ist allerdings wann und in welcher Form.
„ 中国 „ als Domain-Name zukünftig möglich
China hat Ende 2009 bei der ICANN die Registrierung des domain-Namens „中国“ (zhongguo= China) in chinesischen Schriftzeichen beantragt. Domains mit chinesischen Schriftzeichen werden in absehbarer Zukunft möglich sein. Alle domain-Namen mit .cn werden automatisch auch die domain „ .“ bekommen, sobald „.“ in das sogenannte „Global route name system“ eingetragen ist. Ausländische Unternehmen, besonders aus dem Konsumgüterbereich, sollten sich dessen bewusst sein, dass sie damit ganz neue Kundenkreise erschließen können und darauf achten, dass der komplette chinesische domain-Name als zukünftiges wichtiges Akquisitionsmittel korrekt registiert ist.
384 Millionen Netizens
Ende 2009 hatten 384 Millionen Chinesen Zugang zum Internet, was 28,9% der Gesamtbevölkerung entspricht. Damit liegt China über dem internationalen Durchschnitt, aber innerhalb des Landes gibt es noch immer gewaltige Unterschiede. Immerhin gibt es schon 106 Millionen Landbewohner mit Anschluss ans Netz. Durch das starke Wachstum schneller Mobilfunkanschlüsse stieg der Anteil der mobilen Nutzer auf 60,8%. Die beliebtesten Anwendungen waren Online-Musik (83,5%), Nachrichten (80,1%) und Suchmaschinen (73,3%). Interessant ist auch, dass Wertpapiergeschäfte mit 67% noch vor dem Online-Banking mit 62,3% liegen.
nach oben
|