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China-Nachrichten

von

Helmut Janus GmbH China-Consult
 und VACT Vinck’s Agency for Consulting and Trading

Nr. 23 vom 02. November 2005

 

Feinabstimmung der Wechselkurspolitik

Zwei Monate nach der Aufwertung des Renminbi um 2 Prozent und der Entkoppelung der chinesischen Währung vom US-Dollar zugunsten eines Währungskorbs wurden im September neue Bestimmungen zur Festlegung der Wechselkurse erlassen. Nunmehr darf der Wechselkurs des RMB zu Euro, Yen und Hongkong-Dollar in einer Marge von 3% statt früher 1,5% floaten. Dies war nötig geworden, da angesichts der Schwankungen auf dem Devisenmarkt die ursprüngliche Marge sich als zu eng herausgestellt hatte und Wechselkursinterventionen notwendig gemacht hätte. Die Maßnahmen sind aber insgesamt eher als Feineinstellung zu verstehen. Die neue Wechselkurspolitik hat bisher nicht zu größeren Schwankungen oder einer weiteren Abwertungstendenz geführt. Im Zeitraum von der Verkündung der neuen Wechselkurspolitik am 21. Juli bis zum 1. November veränderte sich der Kurs lediglich von 8,11 auf 8,086 RMB je US-Dollar.

Ausländische Direktinvestitionen gesunken

Seit Februar dieses Jahres haben sich die ausländischen Direktinvestitionen gegenüber den Vergleichsmonaten des Vorjahrs reduziert. Bis August lagen die ausländischen Investitionen bei 38,0 Mrd. US-Dollar gegenüber 43,6 Mrd. im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Nach dem stürmischen Anstieg zwischen 2001 und 2004 wird es dieses Jahr voraussichtlich eine Trendumkehr geben. Wesentlicher Grund für die Entwicklung dürfte sein, dass in immer mehr Industrien massive Überkapazitäten bestehen und die Wettbewerbsintensität immer weiter zunimmt. Zudem haben die Preiserhöhungen für Rohstoffe und Energie die Margen zusätzlich gedrückt. Bei den wichtigsten Herkunfts- regionen der ausländischen Investitionen, Hongkong und Taiwan, gibt es einen Sättigungseffekt. Es gibt kaum noch Unternehmen, die nicht schon im großen Stil Fertigungskapazitäten nach China verlegt haben. Ganz schlecht ist diese Nachricht für China nicht. Viele Investoren hatten in der Vergangenheit kaum Wertschöpfung nach China gebracht, sondern nur einfache arbeitsintensive Tätigkeiten verlagert. Auch wenn keine neuen Rekordmarken erzielt werden, dürften die Auslandsinvestitionen auf hohem Niveau bleiben, und es besteht die Chance für China, mehr auf die Qualität der Investitionen als auf das reine Volumen zu achten.

Neue Bestimmungen sollen Unterbewertung von staatlichem Vermögen verhindern

Zum 1. September wurden von der Verwaltungsbehörde für das Staatsvermögen (State-owned Assets Supervision and Administration Commission, SASAC) neue Bestimmungen zur Durchführung von Bewertungen veröffentlicht. Eine Bewertung muss immer dann erfolgen, wenn staatliche Unternehmen in Aktien umgewandelt werden, wenn Unternehmen aufgeteilt oder zusammengelegt werden oder wenn Unternehmensanteile in Staatseigentum übertragen werden. Für ausländische Unternehmen ist dies relevant, wenn zum Beispiel die Eigentumsverhältnisse bei einem Joint Venture mit einem staatlichen Partner verändert werden, d.h. der ausländische Kapitalanteil erhöht oder ein Joint Venture in ein hundertprozentig ausländisches Unternehmen umgewandelt wird. Die Bestimmungen enthalten strengere Anforderungen an die Bewertungsgesellschaften. Der Verkaufspreis darf nicht niedriger als 90% des ermittelten Werts des Vermögens betragen. Wer vorhat, mit seinem Joint-Venture-Partner über den Kauf von zusätzlichen Anteilen zu verhandeln, muss deshalb frühzeitig überlegen, welche Bewertungsgesellschaft ausgewählt und welches Bewertungsverfahren angewendet werden soll. Sonst lassen sich durch Überbewertung böse Überraschungen erleben. Eine Bewertung ist grundsätzlich nicht erforderlich, wenn der Partner ein privates Unternehmen ist.

Kanal für Venture Capital wieder geöffnet

Eine von chinesischen Unternehmen vielfach verwendete Konstruktion zur Aufnahme von Risikokapital (Venture Capital) sieht so aus, dass ein chinesischer Investor in einem Steuerparadies wie den Cayman Islands ein Unternehmen gründet. Dieses wiederum geht in New York an die Börse und bringt das so eingesammelte Geld in ein hundertprozentig ausländisches Unternehmen in China ein. Gegenüber einem direkten Börsengängen sind die Formalitäten einfacher, und das Unternehmen genießt in China die Vorteile eines ausländischen Investors. Auf diesem Wege wurden 2004 rund 1,2 Mrd. US-Dollar mobilisiert. Durch zwei im Frühjahr erlassene Bestimmungen wurde der Markt jedoch praktisch zum Stillstand gebracht. Aus Furcht vor Karussellgeschäften wurde eine Genehmigungspflicht eingeführt. Zudem wurden die Genehmigungen restriktiv gehandhabt. Mit neuen Bestimmungen im Oktober wurde nun die Genehmigungspflicht wieder aufgehoben und durch ein Registrierungsverfahren ersetzt. Einerseits werden die neuen Bestimmungen als Rückzug der chinesischen Regierung von der harten Linie angesehen, andererseits ist aber auch bei einer Registrierung fraglich, ob die Betroffenen wirklich ihr Vertrags-Know- how gegenüber den Behörden aufdecken wollen.

Pleitewelle bei Supermärkten

In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Einkaufsgewohnheiten der chinesischen Bevölkerung grundlegend gewandelt. Es wurde modern, nicht mehr auf dem Straßenmarkt in der Nachbarschaft, sondern in großen Supermärkten einzukaufen. Wie bei fast jeder neuen Geschäftsidee kam es nach den Erfolgen der Anfangsjahre zu irrationalen Investitionen und Überkapazitäten. Besonders in den Städten der zweiten Reihe häufen sich jetzt die Supermarktpleiten. Ein Beispiel ist Taiyuan, die Provinzhauptstadt von Shanxi. Innerhalb eines Jahres wurden 20 Supermärkte mit Verkaufsflächen von mehr als 5000 Quadratmetern eröffnet, darunter auch ausländische wie Walmart und Home World. Fünf dieser Märkte wurden nach weniger als einem Jahr wieder geschlossen. In allen Fällen haben absurde Sonderangebote und Rabattschlachten zum Niedergang geführt. Dass der chinesische Einzelhandel kein einfaches Pflaster ist, hat inzwischen auch OBI schmerzlich gespürt. Nach jahrelangen Erfolgsmeldungen wurden die chinesischen OBI-Märkte an den britischen Wettbewerber B&Q verkauft.

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 © Helmut Janus GmbH China-Consult, Essen 2011