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Der Beschaffungsmarkt in China
Investitionsgüter versus Konsumgüter
China gewinnt als Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Die deutschen Importe aus China sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im Jahre 1999 wurden Güter im Wert von 14.221,1 Millionen Euro importiert worden, im Jahre 2001 lag dieser Wert bereits bei 20.153,6 Millionen Euro.
Ursachen für die sowohl absolut als auch anteilig steigenden Importe aus China liegen in der kostengünstigeren Fertigung aufgrund der vergleichsweise billigen Arbeitskräfte. Auch die Struktur der importierten Produkte ändert sich. China ist nicht mehr lediglich Produzent qualitativ geringwertiger Güter. Aufgrund des technologischen Fortschritts zählen vermehrt hochwertige Produkte, wie beispielsweise Geräte der Nachrichtentechnik, EDV-Geräte oder Maschinen und Metallerzeugnisse, zu den chinesischen Exportgütern.
Auch der WTO-Beitritt Chinas wird die Zahl der Importe aus China steigen lassen, da zahlreiche Restriktionen im Außenhandel mit China entfallen werden. Hierzu zählen sowohl Zölle sowie der Wegfall von nicht-tarifären Handelshemmnissen. Hierzu lassen sich auch im weitesten Sinne die chinesischen Import- & Exportgesellschaften zählen, ohne deren Einschaltung bisher kein Export nach China oder Import aus China möglich ist. Diese Beschränkung soll jedoch innerhalb von drei bis fünf Jahren nach dem WTO-Beitritt entfallen. Ob dieser Zeitpunkt eingehalten wird, ist jedoch ungewiss, da wichtige Fragen wie die Devisenzugriffsrechte bisher nicht geregelt sind. Insgesamt und aus der Erfahrung lässt sich jedoch sagen, dass die chinesische Regierung Fristen aus internationalen Abkommen erfüllt.
Struktur des Außenhandels
Die chinesische Außenhandelsstruktur ist durch einige besondere Rahmenbedingungen gekennzeichnet, die sich von anderen asiatischen und auch westlichen Ländern unterscheiden. Der Außenhandel wird durch die chinesische Regierung restriktiv gesteuert. Außenhandelsberechtigt sind nur die Unternehmen, welche über eine vom Staat ausgegebene Import- & Exportlizenz verfügen. Diese Lizenzen werden vom „Ministry of Commerce“ (MoFCOM) vergeben. Ende 2001 gab es rund 34.000 staatliche und 2.000 private außenhandelsberechtigte Unternehmen. Die Zahl stiegt stetig, denn Ende 2002 soll es allein in Shanghai über 1.800 private Unternehmen mit einer Außenhandelslizenz gegeben haben, im Vorjahr 2001 lag die Zahl gerade mal bei 233. Nur Unternehmen mit einer solchen Lizenz haben Zugriffsrechte auf Devisen, somit sind sie die einzigen Akteure, die ausländische Importeure in harter Währung bezahlen zu können. Die chinesische Währung Renminbi (RMB) ist nicht konvertierbar und an den US$ gekoppelt ( 1US$ ~ 8,27 RMB).Für die meisten der chinesischen Import- & Exportgesellschaften ist die reine Außenhandelsabwicklung die betriebswirtschaftliche Hauptaufgabe, sie nehmen somit eine reine Händlerfunktion wahr.
Praktisch bedeutet diese Außenhandelsstruktur, dass ein deutscher Einkäufer eine solche Import- & Exportgesellschaft einschalten muss. Alternativ kann das Geschläft über Unternehmen abgewickelt werden, die in den Freihandelszonen wie Waigaioqiao oder Shenzhen angesiedelt sind, da für dort angesiedelte Unternehmen zahlreiche Sonderrechte bestehen.
China als Beschaffungsmarkt für Konsumgüter
Im Vergleich zum deutschen Beschaffungsmarkt besteht auf dem chinesischen Beschaffungsmarkt nur unzureichende Transparenz. Es existieren kaum zuverlässige Einkaufsführer oder ähnliche Quellen. Aus diesem Grund und wegen der großen Bedeutung der persönlichen Kontakte beim China-Geschäft ist ein Messebesuch in Shanghai oder Kanton ein guter Aufhänger für den Start der China-Geschäfte. Allerdings sollte hierbei bedacht werden, dass insbesondere auf der zweimal jährlich statt findenden Kantonmesse in erster Linie Händler, wie die bereits beschriebenen Import- & Exportgesellschaften, anzutreffen sind. Nur bei einem Bruchteil der Aussteller handelt es sich um Hersteller. Demnach sollten auf Messen keine vorschnellen Verträge abgeschlossen werden, eine weitergehende Suche nach den wirklichen Herstellern kann die Einsparpotentiale stark ausdehnen.
Weitere Einkaufsmöglichkeiten liegen in der Einschaltung lokaler Agenten oder Reisenden, die meist über gute Marktkenntnisse verfügen und erfolgsabhängig bezahlt werden. Handelshäuser sind in der Regel eher weniger geeignet. Sie verfügen zwar über einen großen Erfahrungsschatz, sind aber aufgrund ihrer Größe häufig unflexibel und schwergängig. Eine gute Alternative bieten deutsche oder chinesische Privatunternehmen, die auch Beratungsleistungen anbieten. Basierend auf konkreten Spezifiaktionen werden Anbieter ein zielgerichtete Sourcings durchgeführt und je nach Aufgabenstellung bereits Vorverhandlungen getätigt.
Strebt der deutsche Einkäufer ein großes Einkaufsvolumen an, sollte auf lange Sicht eine Repräsentanzgründung ins Auge gefaßt werden. Längerfristig kann eine Produktionskooperation mit einem lokalen Partner erfolgen oder ein eigenes 100%-Tochterunternehmen gegründet werden. Eine kostengünstigere Alternative mit geringerem wirtschaftlichem Risiko bietet für die erste Phase der Marktbearbeitung die Teilnahme an einem Firmenpool.
Besonders zu beachten ist beim Einkauf in China die Produkthaftung. Ein Importeur, der Waren aus einem Drittland bezieht, wird vom Produkthaftungsgesetz wie ein Hersteller eingestuft, somit besteht für den Importeur eine verschuldensunabhängige Haftung. Dem entsprechend ist es für den deutschen Einkäufer äußerst wichtig, sich vom chinesischen Hersteller eine Haftungsübernahme-Erklärung ausstellen zu lassen.
Sobald ein geeigneter Lieferant ermittelt wurde, beginnt ein weiterer, mitunter komplizierter, Teil der China-Geschäfte: Die Liefergeschäfte müssen vertraglich geregelt werden. Da China Mitglied des UN-Kaufrecht-Abkommens ist, kann sich der deutsche Einkäufer zum einen hierauf berufen. Weiterhin besteht für den Wirtschaftsverkehr mit China ein „Deutsch-Chinesischer Standardvertrag für Liefergeschäfte“, der beim BFAi angefordert werden kann. Die in diesem Standardvertrag angeführten Punkte bieten dem deutschen Einkäufer mehr Sicherheit als die Standardverträge der chinesischen Import- & Exportgesellschaften.
China als Beschaffungsmarkt für Investitionsgüter
Informationen über Investitionsgüter werden, im Vergleich zum Konsumgütermarkt, in der Regel von den Abteilungen in den entsprechenden Fachministerien zur Verfügung gestellt. Häufig verfügen auch Stadt- oder Kreisverwaltungen über relevante Informationen. Das relativ gute Informationsnetz ist ein Überbleibsel der ehemaligen Planwirtschaft Chinas. Auch Handelshäuser verfügen aufgrund langjähriger Erfahrungen in speziellen Branchen über gute Marktinformationen, da sie häufig Kooperationen mit an Großprojekten beteiligten Herstellern eingehen. Eine weiter Alternative stellen produktbezogene Einkaufsbüros oder auf „Sourcing“ spezialisierte westliche und chinesische Dienstleister dar. Zusätzlich können Messebesuche sinnvoll sein. Schwierig ist bei der großen Messevielfalt jedoch, die relevanten Messen rauszufiltern.
Besondere Bedeutung kommt im Investitionsgütergeschäft der genauen Spezifiaktion des zu beschaffenden Gutes bei. Je genauer die Spezifizierung, desto zielgerichteter kann der chinesische Markt untersucht werden. Optimalerweise sollten Zertifikate und Normen Rückschlüsse auf die chinesischen Normen zulassen. Die gesuchten Produkte sollten gemäß den chinesischen Anforderungen spezifiziert werden. Das bereits erwähnte Vertragsmuster kann auch für den Investitionsgüterbereich genutzt werden.
Langfristig wird der Beschaffungsmarkt China immer interessanter. Die Ursachen hierfür liegen zum einem in massiven Einsparungsmöglichkeiten, zum anderen in den wachsenden technischen und technologischen Möglichkeiten in der chinesischen Industrie. Die Qualität der in China gefertigten Produkte steigt zunehmend und kann im internationalen Vergleich durchaus bestehen.
Dezember 2006
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