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China-Nachrichten

von Helmut Janus GmbH China-Consult
und VACT Vinck’s Agency for Consulting and Trading

Nr. 30 vom 30.September 2008


Verlassen deutsche Unternehmen wirklich China?


Glaubt man dem Handelsblatt vom 18. August, dann "geht dem Drachen die Luft aus", und wird die Liste der Unternehmen, die China den Rücken gekehrt haben, länger. Beispiele, die genannt werden, sind der Sportartikelhersteller Adidas, der Plüschtierhersteller Steiff und der Pipelinespezialist Vietz. Einzig und allein Adidas ist hier relevant, allein schon aufgrund der Anzahl der Fabriken und der Bedeutung des China-Engagements für den Konzern. Adidas gehört aber auch zu den wenigen deutschen Unternehmen, die ihr China-Engagement wegen der niedrigen chinesischen Kosten begonnen haben und nicht in erster Linie, um den chinesischen Markt zu erschließen. Heute, wo Adidas in China auch einen der wichtigsten Absatzmärkte sieht, hat sich die Situation geändert. Adidas wird mit Sicherheit weiter in China produzieren, auch wenn andere Produktionsstandorte tendenziell an Bedeutung gewinnen. Die mittelständischen Fälle Vietz und Steiff lassen sich nicht verallgemeinern. Der Fall Vietz ist reichlich auf Veranstaltungen und im Internet präsentiert worden. Aus dem Wust von Informationen lässt sich nur schließen, dass hier individuelle Kriminalität und schlimmste Managementfehler ausschlaggebend waren. Steiff nennt Qualitätsprobleme als Grund für die Beendigung des China-Engagements. Dieses Problem haben sie bestimmt nicht allein, aber auch hier scheint es sich eher um Managementprobleme zu handeln. Ein genereller Trend lässt sich aus diesen Beispielen nicht ableiten.

Fakt ist allerdings die Kostensteigerung in China. Höhere Rohstoff- und Energiepreise sind ein weltweites Phänomen. Die gestiegenen Frachtraten spielen für die meisten Industriegüter noch eine untergeordnete Rolle. Ein besonderes chinesisches Problem sind dagegen die überdurchschnittlichen Lohnsteigerungen. Hierfür gibt es zwei Gründe. Zum einen hat das Anfang 2008 in Kraft getretene Arbeitsvertragsgesetz Wirkung gezeigt, und immer mehr ohne Vertrag Beschäftigte erhielten reguläre Arbeitsverträge. Dadurch müssen auch Versicherungsbeiträge abgeführt werden, was zwangsläufig die Arbeitskosten erhöht. Zum anderen gab es auch eine deutliche Steigerung der Nominallöhne. Die Auswirkungen waren regional sehr unterschiedlich. Von den neuen gesetzlichen Regelungen besonders betroffen waren die arbeitsintensiven Low-Tech-Fabriken oder besser gesagt Sweatshops in Südchina. Dass China hier durchgegriffen hat, mag zwar ökonomische Probleme mit sich bringen, kann man aber in jeder Hinsicht nur begrüßen. In letzten Monaten, wo China in den Medien heftig geprügelt wurde, gingen diese Maßnahmen, die Millionen von Arbeitskräften mehr Sicherheit bringen, fast vollständig unter. Gestiegene Löhne und Gehälter belasten natürlich auch Unternehmen, die sich schon früher an das Arbeitsrecht gehalten haben wie fast alle Unternehmen mit Kapital aus Deutschland oder Europa. Innerchinesisch hat sich die Wettbewerbsfähigkeit nicht verschlechtert, und noch spielt der chinesische Markt die ausschlaggebende Rolle für die meisten deutschen Investoren.

Erkennbar ist dagegen, dass sich die chinesische Konjunktur abschwächt. Der Außenhandelsüberschuss ist im ersten Halbjahr 2008 zurückgegangen, und die Wachstumsraten erreichen nicht mehr neue Rekorde. Die Unternehmen sind davon mehr oder weniger hart betroffen, aber jetzt von einer breiten Abwanderung aus China zu reden, hat nichts mit der Realität zu tun.

Regelungen für „Processing Trade“ aktualisiert

Seit 1999 gibt es Bestimmungen für den „Processing Trade“, in denen die zu verarbeitenden Güter in „erlaubt“, „beschränkt“ und „verboten“ eingeteilt werden. Im Juli wurden die für den Processing Trade verbotenen Güter in einem Katalog zusammengefasst, der im Dezember 2007 noch erweitert wurde und bis auf Weiteres gültig ist. Die verbotenen Produkte betreffen hauptsächlich arbeitsintensive Wirtschaftsbereiche der Kunststoffverarbeitung, Garne, Stoffe, Möbel, einfache Metallprodukte, tierische und pflanzliche Produkte, Nahrungsmittel, Getränke, diverse chemische Produkte, der Import von Samen und Setzlingen, chemische Düngemittel. China erhofft sich von diesen Regelungen eine Verbesserung der Exportgüterstruktur und will den Export von Umwelt verschmutzenden und gefährlichen Gütern eindämmen.

Neue Regelungen für Repräsentanzen bis Jahresende erwartet

Es gibt inzwischen mehr als 100.000 Repräsentanzen ausländischer Firmen in China. Die „Regulations on Registration of Foreign Enterprises in China“ werden derzeit überarbeitet und neu formuliert. Es wird damit gerechnet, dass bis Jahresende neue Bestimmungen erlassen werden. Die derzeitigen Bestimmungen beruhen auf zwei Dokumenten aus dem Jahr 1983: „The State Council’s Interim Provisions on Administering Representative Offices of Foreign Enterprises in China“ und die „Measures on Registration and Management of Representative Offices of Foreign Enterprises in China“. Dem zweiten Dokument kann man entnehmen, dass es Repräsentanzen nicht gestattet ist, Geschäftsaktivitäten aufzunehmen, z.B. Handelsgeschäfte durchzuführen. Die Bestimmungen legen jedoch nicht fest, wie Verstöße dagegen geahndet werden und passen auch nicht zu aktuellen Entwicklungen. Repräsentanzen loten aus, wie weit sie gehen können, beispielsweise führen Repräsentanzen Promotions- und Verkaufsveranstaltungen durch, verhandeln Verträge oder unterzeichnen diese sogar. Die neuen „Regulations on Registration of Foreign Enterprises in China“ werden die erlaubten indirekten Geschäftsaktivitäten klar definieren: Marktuntersuchungen, Produktpräsentationen und Promotion, Kontaktanbahnung. Auch für die zu entrichtende Business Tax wird eine klare Grundlage geschaffen, die es den Behörden ermöglicht gleiches Recht für alle walten zu lassen. Wenn es zwischenstaatliche Vereinbarungen gibt, ist es Repräsentanzen schon jetzt gestattet, direkte Geschäftsaktivitäten aufzunehmen. Beispielsweise können Fluggesellschaften als Repräsentanzen Tickets ausstellen, da es zwischen China und der International Aviation Organisation ein Abkommen gibt.

Neue Bestimmungen für High-Tech-Status erlassen

Zusätzlich zum neuen Körperschaftsteuergesetz, das im Januar in Kraft trat, gibt es jetzt auch neue Bestimmungen zum High-Tech Status: „Measures on Determination of New- and High-Tech Enterprises“. Seit dem 1. Januar gilt die einheitliche Einkommensteuer für alle Unterehmen. Bei der Einstufung als High-Tech-Unternehmen gilt der ermäßigte Satz von 15%. Die Einstufung ist an strenge Auflagen geknüpft

  • kontinuierliche Erforschung, Entwicklung und Weiterentwicklung von technischen Prozessen
  • der Umsatz von High-Tech-Produkten musss mindestens 60% vom Gesamtumsatz sein
  • Registrierung seit mehr als einem Jahr in China
  • Geschäftstätigkeit in einem der acht Bereiche (hier der Klarheit halber in offizieller englischer Übersetzung): electronic information technology, biological and medical technology, aviation and space technlology, high-tech services, new energy and energy conservation technology, resources and environmental technology, transformation of traditional sectors through new and high technnology.
  • Strenge Auflagen an die Ausbildung und Qualifikation der Belegschaft
  • Im Gegensatz zu den alten Bestimmungen bekommen Unternehmen den High-Tech-Status nicht mehr allein durch ihre Ansiedlung in den staatlich ausgewiesenen High-Tech-Zonen. Jetzt können auch Unternehmen außerhalb dieser High-Tech-Zonen bei entsprechender Qualifizierung den Staus bekommen. Der erteilte High-Tech-Status gilt für drei Jahre. Verliert ein Unternehmen den Status, gibt es eine Sperrfrist, erst danach kann der Status neu beantragt werden.

Steuerliche Vorzugsbehandlung für die Übergangsperiode

Ergänzend zum neuen Körperschaftsteuergesetz und den entsprechenden Durchführungsbestimmungen gibt es Regelungen zur steuerlichen Behandlung in der Übergangsperiode für Unternehmen, die vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes gegründet wurden: „Circular on the transitional preferential policy on enterprise income tax“ (Guofa(2007), No.39), erlassen am 26.12.2007. Diese liegen uns in englischer und chinesischer Sprache vor.

Olympia und Umweltschutz

Für interessant und bemerkenswert halten wir die folgende Einschätzung von Greenpeace zum Einfluß der Olympiade auf die Umwelt und Umweltschutzbemühungen in China: http://www.greenpeace.org/raw/content/china/en/press/reports/green.pdf

Einige Zahlen, Statistiken und Rekorde:

Schrottautos:
Zur Zeit werden jedes Jahr ca. 3 Mio. Autos in der VR China verschrottet, mit steigender Tendenz. Dies eröffnet einen neuen Markt für Schrottverwerter. Versuchsweise wurden im ersten Quartal 2008 14 Firmen Lizenzen zur Schrottverwertung von Automobilen erteilt. 2007 wurden knapp 9 Mio. Autos produziert, für dieses Jahr werden 10 Mio. erwartet. Bis 2010 sollen in China ca. 65 Mio. Autos aktuell registriert sein, die Zahl der Schrottautos pro Jahr wird auf ca. 4 Mio. steigen
Internet:
Nach Zahlen des China Internet Network Information Center (CNNIC) betrug die Zahl der Internetnutzer 253 Mio (Stand Ende Juni 2008). Die Zahl der Nutzer stieg im Vergleich zum Vorjahr um 56,2%. Erstmals übertraf China damit die USA Ein Großteil der Nutzer hat dabei den Zugang über Breitband. Ende Juli gab es 12.188 Mio „.cn“ Domains, mehr als „.de“. Damit ist „.cn“ jetzt die größte Länder-Domain. 25% der Internetaktivitäten sind inzwischen dem Online-Shopping zuzuschreiben. In nur einem halben Jahr stieg der Anteil der Nutzer von Online-Bezahlsystemen um ca. 70% . Shanghai hat mit ca. 45% den größten Anteil an Online-Shoppern.
Container Shipping:
Die chinesischen Shipping Agents COSCO und China Shipping gehören inzwischen mit Platz 4 zu den Top Ten der Welt. In China haben jedoch ausländische Agents immer noch den Löwenanteil von ca. 70%. Im 5. Jahr in Folge stehen Chinas Häfen an erster Stelle beim Waren- und Containerumschlag.

Youngor Group weltgrößter Hersteller von Herrenbekleidung

Mit der Übernahme von Anteilen der Kellwood (USA)-Tochter Smart Shirts und Xin Ma Apparel ist die Youngor Gruppe aus Ningbo zum weltgrößten Hersteller von Herrenbekleidung geworden. Bekannt geworden ist Youngor mit der Fertigung von Hemden und Anzügen hoher Qualität, hat sich aber schon seit einigen Jahren auch auf Freizeitkleidung ausgedehnt. Auch in Deutschland bekannte Marken lassen bei Youngor fertigen.

Pinghu – ein wichtiges Handelszentrum in China

In Pinghu nördlich der Stadt Shenzhen mit den Häfen Yantian und Bao’an ist eines der größten Handelszentren für Industrieprodukte entstanden, die China South International Industrial Materials City, kurz China South City CSC. Auf der jetzigen Fläche von 1,5 Millionen Quadratmetern sind folgende Branchen vertreten: Textilien und Bekleidung, Leder und -zubehör, Metalle, Chemikalien, Plastikmaterialien, Druckereizubehör, Papier- und Verpackungsmaterialien, Elektronische Zubehörteile.

Ein weiteres wichtiges Handelszentrum, das man kennen sollte, ist Yiwu in der Provinz Zhejiang (siehe Newsletter vom 23.4.2008)

Econet China

Unter der Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und in Zusammenarbeit mit der BfAI und chinesischen Institutionen sowie deutschen und chinesischen Sponsoren aus der Industrie und dem Medienbereich ist die mehrsprachige Internetplattform Econet-China entstanden. Zielsetzung ist eine Plattform für Themen und Kontakte aus dem Umweltsektor anzubieten, mit Firmenlisten und Marktinformationen aus den Branchen Baumaterialien, Energie und Umwelt mit den Stichworten Umwelttechnik, erneuerbare Energien und Energieeffizienz. www.econet-china.com

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 © Helmut Janus GmbH China-Consult, Essen 2011