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China-Nachrichten

von Helmut Janus GmbH China-Consult
und VACT Vinck’s Agency for Consulting and Trading

Nr. 35 vom 3. Dezember 2009
 

Chinesische Investitionen im Ausland

Die aus China ins Ausland geflossenen Direktinvestitionen (ohne Finanzinvestitionen) erreichten 2008 ein Volumen von 55,9 Milliarden US-Dollar, was ungefähr den ausländischen Direktinvestitionen in China von 2003 entspricht. Im ersten Halbjahr 2009 gab es einen zeitweisen Rückgang, im dritten Quartal aber wieder einen steilen Anstieg, so dass per Ende Oktober die chinesischen Direktinvestitionen bei 32,9 Milliarden US-Dollar lagen. Der positive Trend dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen. Der Schwerpunkt dieser Investitionen lag auf dem Energie- und Rohstoffsektor, insbesondere in Australien und anderen Rohstoffländern. Dass Chinas Interessen auf erhebliche Widerstände stoßen, zeigen einige spektakuläre Fehlschläge wie die gescheiterten Übernahmen von Unocal durch die China National Offshore Oil Corporation 2005 und die missglückte Beteiligung von Chalco an Rio Tinto im Februar dieses Jahres. Dennoch arbeitet die chinesische Regierung weiter an einer Verbesserung der Bedingungen für chinesische Investoren und erließ dazu zum 1. Mai „Measures on Administration of Investment Overseas“. Dadurch sollen Formalitäten vereinfacht und die Finanzierungsbedingungen verbessert werden. Ein neuer Trend ist auch, dass zunehmend arbeitsintensive Industrien im noch kostengünstigeren Ausland investieren.

SAIC verlängert Fristen für Kapitaleinzahlung

Chinas Handelsregisterbehörde, die State Administration of Industry and Commerce, hat im Laufe dieses Jahres 8.941 Unternehmen mit Auslandskapital die Verlängerung der Kapitaleinzahlungsfrist genehmigt, um damit die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise zu mildern. Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, ihre in der Satzung festgelegte Kapitaleinzahlung zu leisten, sollten sich an die lokale SAIC wenden.

Überkapazitäten und Überproduktion – die andere Seite von Chinas Wirtschaftsaufschwung

Chinas Antwort auf die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise war ein massives staatliches Investitionsprogramm, das die in vielen Branchen vorhandenen Überkapazitäten nochmals ausgeweitet hat. Chinas Rohstahlerzeugung lag 2008 bei 660 Millionen Tonnen, während der chinesische Markt nur ca. 500 Millionen Tonnen nachgefragt hat und Überschüsse in den Export gingen. Mit Investitionen von 140,5 Milliarden RMB wurden die Kapazitäten nochmals 58 Millionen ausgeweitet, so dass sie mittlerweile bei über 700 Millionen Tonnen liegen. Ähnlich sieht es bei Zement aus. Die installierte Kapazität lag 2008 bei 1,87 Milliarden Tonnen, die Produktion bei 1,4 Milliarden Tonnen. In Bau sind Anlagen für 620 Millionen Tonnen, in der Planung noch einmal für 210 Millionen Tonnen. Diese neuen Anlagen werden keinesfalls nur die veralteten Anlagen ersetzen, sondern die Gesamtkapazität auf 2,7 Milliarden Tonnen steigern, während die Nachfrage sich lediglich auf 1,6 Milliarden Tonnen erhöhen wird. Ähnliche Probleme gibt es bei Flachglas, Kohlechemie und Aluminium, aber auch in verarbeitenden Industrien wie dem Schiffbau, Windkraft- und Solaranlagen.
Die chinesische Regierung will mit einer Reihe von administrativen Maßnahmen gegen die Überkapazitäten vorgehen, insbesondere durch Verschärfung der Genehmigungsverfahren, strengere Umweltauflagen, Einschränkungen bei der Grundstücksvergabe und Finanzierungsrestriktionen. Ob diese Maßnahmen Erfolg haben, kann bezweifelt werden, solange gleichzeitig hohe Wachstumsziele verfolgt werden und regionale Interessen sich gegen nationale Prioritäten durchsetzen lassen.

Höhere Mehrwertsteuererstattungen stützen chinesische Exporte

In den ersten neun Monaten dieses Jahres ging der chinesische Außenhandel um 20,9% zurück, der Außenhandelsüberschuss sank um 26% auf 135 ,5 Milliarden US-Dollar. Der Tiefpunkt lag allerdings schon im Februar. Seither sind die Außenhandelszahlen von Monat zu Monat angestiegen. Zu dieser Entwicklung hat maßgeblich die Erhöhung der Erstattungssätze für die Mehrwertsteuer beigetragen. Die Erstattungen lagen von Januar bis September bei 303,8 Milliarden RMB, was einem Anstieg von 12,4% gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Überproportional wurden die Sätze für arbeitsintensive Produkte wie Textilien, Schuhe und Möbel erhöht, die alle geringere Einbußen als der Gesamtexport verzeichneten. Die weltweite Konjunkturerholung und die zunehmende Zahl von Handelskonflikten deuten darauf hin, dass die Serie der Erhöhungen vorbei sein dürfte und 2010 die Sätze tendenziell eher gesenkt werden dürften.

China weltgrößter Hersteller von Solarzellen

Chinas Kapazitäten zur Produktion von Solarzellen liegen inzwischen bei 2.500 MW pro Jahr. Mehr als zehn Hersteller, die meisten davon an ausländischen Börsen notiert, besitzen eine Produktionskapazität von über 100 MW pro Jahr. Damit ist China der weltweit größte Hersteller von Solarzellen. Diese tragen jedoch fast nichts zur chinesischen Energieerzeugung bei, da 98% der Produktion in den Export gehen. Erklärtes politisches Ziel ist, dass diese Situation sich ändert. Bis 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien von derzeit knapp 10% auf 20% steigen.

Automobilproduktion steigt um über 30%

In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg Chinas Automobilproduktion um 32,01% auf 9,6 Millionen Fahrzeuge, davon 7,2 Millionen PKW’s. Mit über 12 Millionen Autos wird China 2009 erstmals die weltweite Spitzenposition in der Automobilproduktion einnehmen. Der Verkauf von kleineren Fahrzeugen mit bis zu 1,6 Litern Hubraum stieg aufgrund von Steuervergünstigungen und Zuschüssen an die Bauern um über 50%. Die höchsten Verkaufszahlen erzielten wiederum FAW-VW, Shanghai VW und Shanghai General Motors. Auch wenn die Vergünstigungen auslaufen sollten, ist die Industrie optimistisch, im kommenden Jahr Zuwächse von 10 bis 15% zu erzielen.

Knoblauch-Blase

Nicht mit chinesischen Aktien oder Rohstoffkontrakten ließen sich dieses Jahr die höchsten Spekulationsgewinne einfahren, sondern mit Knoblauch. In Jinxiang, dem chinesischen Zentrum des Knoblauch-Anbaus, hat sich der Preis seit März fast verdreifacht. Hohe Nachfrage aus den USA und eine Verknappung der Anbauflächen haben die Preise in die Höhe schnellen lassen. Zuletzt hat die Aussage, dass Knoblauch angeblich die Abwehrkräfte gegen den H1N1-Virus stärkt, das Spekulations-Fieber angeheizt.

Heute schon Gemüse geklaut ?

Falls Sie sich wundern, dass Ihre chinesischen Mitarbeiter nicht erreichbar oder völlig überlastet sind, könnte es daran liegen, dass sie im Nebenerwerb einen Bauernhof betreiben, der versorgt werden muss. Mehr dazu siehe:
http://www.sueddeutsche.de/,ra12m1/computer/327/494661/text/

 

 © Helmut Janus GmbH China-Consult, Essen 2011