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China-Nachrichten
von Helmut Janus GmbH China-Consult und VACT Vinck’s Agency for Consulting and Trading
Nr. 32 vom 02. Februar 2009
Bisherige Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf China
China erzielte im letzten Quartal 2008 ein Wachstum von nur noch 6,8%. Für das Gesamtjahr betrug die Wachstumsrate 9%, was einem Rückgang von 4% gegenüber 2007 entspricht und erstmals nach 2003 wieder einstelliges Wachstum bedeutet.
Die Inflationsrate, die im Februar 2008 noch bei 8,7% gelegen hatte, ging im November auf 2,4% zurück. Während die Lebensmittelpreise noch um 5,9% und Konsumgüterpreise um 3,1% stiegen, sanken die Preise für Bekleidung, für langlebige Konsumgüter und Kommunikationsbedarf.
Die Wohnungspreise zeigten ein gemischtes Bild. In den größten Städten stiegen die Preise im Durchschnitt im November noch um 0,2%, aber in einigen Städten kam es bereits zu deutlichen Preisrückgängen, in Shenzhen -18%, Guangzhou -8,8%, Nanjing -5,2% und Chongqing -4,6%. Preisanstiege gab es dagegen in einigen westlichen und Binnenregionen.
Die ausländischen Investitionen gehen seit Oktober deutlich zurück. Im November 2008 wurden 36,5% weniger als im Vorjahresmonat investiert. Die kumulierte Zahl der realisierten Auslandsinvestitionen für die ersten 11 Monate 2008 zeigt dagegen noch einen Anstieg von 26,3% auf 86,4 Milliarden US-Dollar. Die Anzahl der genehmigten Projekte sank dagegen um 27,5%.
Ein ähnliches Bild gibt es beim Außenhandel. Im November 2008 sank das Außenhandelsvolumen um 9% im Vergleich zum November 2007. Für den Gesamtzeitraum Januar bis November lag das Wachstum noch bei 20,9%, während es 2007 noch 23,5% betragen hatte. Die Exporte stiegen in diesem Zeitraum um 19,3% auf 1,317 Billionen US-Dollar, die Importe um 22,8% auf 1,061 Billionen US-Dollar.
Neue Devisenbestimmungen
Am 1. August 2008 traten neue Devisenbestimmungen in Kraft. Die alten Regelungen von 1997 hatten noch schwerpunktmäßig die Aufgabe, ungewünschte Devisenabflüsse zu vermeiden. Jetzt wird auch der Eingang von Devisen sehr viel strenger kontrolliert, um ungewollte Spekulationsgelder besser zu kontrollieren. Für Unternehmen mit Auslandskapital bleibt es dabei, dass alle Devisentransaktionen über eigene Devisenkonten abgewickelt werden müssen. Jede Devisentransaktion muss der Devisenbehörde SAFE gegenüber mit Verträgen und Rechnungen dokumentiert werden. Insbesondere bei internen Transaktionen zwischen ausländischer Mutter und chinesischem Beteiligungsunternehmen müssen deshalb vor Erbringung von Leistungen oder Lieferungen saubere Vertragsdokumentationen existieren.
Buchbesprechung: "Capitalism with Chinese Characteristics" von Yasheng Huang, Cambridge University Press 2008
Die meisten der zahlreichen China-Bücher der letzten Jahre versuchen, uns das chinesische Wirtschaftswunder und dessen Konsequenzen zu erklären. Eine Minderheit bereitet uns auch auf den kommenden Kollaps Chinas vor. Was aber fast alle Bücher eint, ist die makroökonomische Perspektive, die sich vor allem am Wachstum des Bruttosozialprodukts orientiert. Yasheng Huang beleuchtet dagegen die mikroökonomische Ebene. Seine Themen sind die Rolle der nichtstaatlichen Unternehmen, Finanzierungsmöglichkeiten für Kleinunternehmen und die Entwicklung der tatsächlichen Haushaltseinkommen. Dabei kommt er zu überraschenden Ergebnissen. Die chinesische Entwicklung der letzten dreißig Jahre ist keineswegs kontinuierlich mit immer weiter fortschreitenden Reformen verlaufen, sondern durch Brüche und Kehrtwendungen gekennzeichnet. Die wichtigste Reformphase sieht er in den achtziger Jahren, als der Schwerpunkt auf der ländlichen Entwicklung lag und zahlreiche "township and village enterprises" gegründet wurden, die zwar offiziell den Gemeinden gehörten, faktisch aber privatwirtschaftlich organisiert waren. Dies führte nicht nur zu hohen gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten, sondern auch zu steigenden Haushaltseinkommen und der Verbesserung nicht-ökonomischer Kennzahlen wie Lebenserwartung, Gesundheitsvorsorge und Alphabetisierungsgrad. In der Phase von 1989 bis 1992 wurde dagegen ein radikaler Bruch vollzogen. Die Führung unter Jiang Zemin forcierte die städtische Entwicklung. Diese wurde jedoch nicht mehr von privatem Unternehmertum, sondern einer typisch chinesischen Form des gelenkten Staatskapitalismus getrieben.
Mit umfangreichem statistischem Material zeigt Huang die negativen Konsequenzen dieser Entwicklung auf. Trotz weiterhin hohen gesamtwirtschaftlichen Wachstums verschlechterte sich die Verteilung. Breite Teile der Bevölkerung blieben nicht nur relativ zurück, sondern erlebten einen absoluten Rückgang ihres Lebensstandards. Die Analphabetenzahlen stiegen in den neunziger Jahren um 30 Millionen, und der Zugang zu Gesundheitsvorsorge verschlechterte sich drastisch. Erst seit dem Machtantritt der derzeitigen Führung unter Hu Jintao und Wen Jiabao im Jahre 2002 verbesserten sich wieder einige Kennzahlen.
Ein eigenes Kapitel widmet Huang der Stadt Shanghai, die er ganz im Gegensatz zum verbreiteten Bild der kapitalistischen Super-Stadt als größten Problemfall des städtisch-staatskapitalistischen Entwicklungsmodells ansieht. Akribisch zeigt er auf, dass Shanghai bei wichtigen Kennzahlen wie der Anzahl und den Einkommen der selbständigen Unternehmer im untersten Segment aller chinesischen Provinzen liegt und in keiner anderen Stadt das verfügbare Einkommen so stark vom Sozialprodukt pro Kopf abweicht. Bei praktisch allen Entwicklungs-kennzahlen schneidet Shanghai sehr viel schlechter ab als die Nachbarprovinz Zhejiang, die durch privates Unternehmertum geprägt ist. Nach Huang war die Entwicklung Shanghais mit Wolkenkratzern, Hochstraßen und Transrapid nur möglich durch eine massive Umlenkung von Ressourcen aus den ärmeren ländlichen Regionen.
Die hohe Zahl der Wanderarbeiter und die zunehmenden sozialen Konflikte in China sind eine unmittelbare Folge der städtisch-staatskapitalistischen Politik. Deshalb widerspricht Huang auch der häufig vorgebrachten These, dass China gerade durch sein autoritäres politisches System so erfolgreich war. Huangs Buch ist 2008 noch vor dem Ausbruch der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise erschienen. Die seither von China ergriffenen Maßnahmen zur Stärkung der ländlichen Entwicklung stützen die Richtigkeit seiner Analyse.
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